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    Berufsbeschreibung
    Der/Die Inspizient/in (im weiteren Verlauf des Textes vereinfachend Inspizient) hat eine leitende Position auf der Theaterbühne. Er/Sie koordiniert und überwacht den gesamten künstlerischen und technischen Ablauf einer Bühnenaufführung und der vorhergehenden Bühnenproben.
    Innerhalb der Produktion arbeitet der Inspizient direkt mit dem Regisseur und dem Bühnenbildner zusammen, bezogen auf die technischen Abläufe besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Bühnenmeister sowie allen beteiligten Gewerken. Durch seine Position und seine Verantwortlichkeit fungiert der Inspizient als Kommunikationsschnittstelle, gewissermaßen als Bindeglied zwischen Kunst und Technik.
    Zur Erfüllung seiner Aufgaben hat er gegenüber den Bühnenmitgliedern den Status eines Bühnenvorstandes. Um seinen verschiedenen Aufgaben gerecht zu werden, muss der Inspizient mit der Inszenierung eng vertraut sein. Aus diesem Grund begleitet er spätestens ab den Bühnenproben den gesamten Produktionsprozess und ist organisatorisch und vermittelnd zwischen Regieteam, Künstlern und Bühnenpersonal tätig.
    Arbeitsplatz ist hauptsächlich das Inspizientenpult, von dem aus der Inspizient den Ablauf von Proben und Vorstellungen steuert. Für Vorbereitungen auf die Produktionen, Einrichten des Inspizientenbuches, gegebenenfalls auch die Erstellung von Ablauflisten, ist ein Büroarbeitsplatz erforderlich.

    Aufgaben und Arbeitsgebiet
    Bei Vorstellungen:
    Der Inspizient ist vor Vorstellungen rechtzeitig vor Ort, um sich zu vergewissern, dass die Bühne korrekt und sicher eingerichtet ist. Dreißig Minuten vor Beginn einer Vorstellung gibt er das erste von drei Zeichen und startet somit den Ablauf der Vorstellung. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt er das Kommando für alle an der Vorstellung Beteiligten und gibt durch seine Ansagen dem Vorstellungsabend Struktur und Verlässlichkeit.
    Der Inspizient ist Anlaufstelle für das Melden fehlender Mitarbeiter und koordiniert eventuell notwendige Maßnahmen. Nachdem alle Gewerke ihre Freigabe für den Beginn der Vorstellung gegeben haben, gibt er das Zeichen für den Zuschauereinlass. Fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung werden die am ersten Bild beteiligten Künstler und technischen Abteilungen eingerufen.
    Unmittelbar vor Beginn vergewissert sich der Inspizient, dass diese für das erste Bild bereit sind. Während der Aufführung ist der Inspizient der Verantwortliche für den korrekten Ablauf der Vorstellung. Er gibt durch Durchrufe, Ansagen, Lichtzeichen oder Handzeichen sämtliche Kommandos („Cues“) an die unterschiedlichen Abteilungen: Bühnentechnik, Beleuchtung, Requisite, Tonabteilung etc., je nach Absprache auch Auftrittszeichen für die Darsteller.
    Bei Problemen während der Vorstellungen ist der Inspizient die erste Anlaufstelle. Er kann Auswirkungen auf den Ablauf der Veranstaltung abschätzen, Hilfe organisieren und die Beteiligten informieren.
    Da der Inspizient zusammen mit dem Bühnenmeister auf die Sicherheit der Beteiligten achtet und gemeinsam mit der Abendspielleitung die künstlerische Qualität garantieren soll, ist er bei unvorhergesehenen Vorfällen gemeinsam mit dem Bühnenmeister, der Abendspielleitung und dem Direktionsdienst an schwerwiegenden Entscheidungen zu Vorstellungsunterbrechungen oder -abbrüchen beteiligt. Für technische Belange und im Bereich der Sicherheit trägt der Bühnenmeister die Verantwortung. Der Inspizient dokumentiert den Ablauf der Vorstellung im Vorstellungsbericht für die Theaterleitung, in Absprache mit Bühnenmeister, Abendspielleitung und ggf. musikalischer Leitung. Darin werden besondere Vorkommnisse vermerkt (wie z.B. technische Mängel und Fehler, Unfälle), damit solche künftig vermieden werden können.
    Bei Bühnenproben:
    Der Inspizient ist bei Bühnenproben organisatorisch und vermittelnd zwischen Regieteam, Künstlern und Bühnenpersonal tätig. Rechtzeitig vor Probenbeginn überzeugt er sich von der Sicherheit und Richtigkeit der Einrichtung. Er bespricht mit Bühnenmeister und Regieassistenz, welche technischen Anforderungen für die Probe eingerichtet werden konnten und gibt diese Information an alle Beteiligten der Produktion weiter. Der Inspizient ist für einen rechtzeitigen Probenanfang sowie einen ordnungsgemäßen Ablauf der Bühnenproben zuständig und ruft alle Beteiligten für die Probe rechtzeitig zur Bühne.
    Er trägt die Anweisungen des Regisseurs in das Inspizientenbuch (Textbuch, Klavierauszug, Orchesterpartitur oder Tanzszenarium) ein. Cues für die Vorstellungen werden in Zusammenarbeit mit dem Regieteam und den an der Produktion beteiligten Gewerken festgelegt. Der Inspizient erstellt und pflegt ein klares, lesbares und exaktes Inspizientenbuch.
    Bei Abstechern/Gastspielen:
    Bei Abstechern fährt der Inspizient die Vorstellung an einem anderen Veranstaltungsort. Im Vorfeld plant er bei einer Abstecherbesprechung gemeinsam mit Regie bzw. Abendspielleitung und Bühnenmeister den notwendigen zeitlichen Vorlauf für Bühnenbegehungen bzw. Änderungsproben, damit die Vorstellung so präzise wie möglich stattfinden kann.

    Dokumentation:
    Das Inspizientenbuch dient der Dokumentation der Produktion. Es muss auch noch Jahre später einen schnellen und verständlichen Überblick geben können. Außerdem muss es für einen stückfremden Inspizienten lesbar und leicht verständlich sein. Bei der Weitergabe von Inspizientenbüchern im Rahmen von Koproduktionen oder Übernahmen sollten dem Inspizienten nachvollziehbare Unterlagen (kommentierte Grundrisse, Ablauflisten, Checklisten, DVDs, etc.) zur Verfügung gestellt werden.

    Voraussetzungen:
    Wichtig ist eine gute Kenntnis und Verständnis des kompletten Theaterbetriebes, das heißt sowohl der künstlerischen als auch der technischen Abläufe. Der Inspizient bedarf vor allem einer gewissen Gelassenheit, um sicher und konzentriert auf unvorhergesehene Zwischenfälle während einer Aufführung reagieren zu können. Er sollte kommunikativ und belastbar sein und gut mit Menschen umgehen können, er sollte Vertrauen schaffen, benötigt aber auch Durchsetzungsstärke.
    Basisqualifikationen:
    • abgeschlossene Berufsausbildung/mehrjährige Berufserfahrung (die Fachrichtung ist zweitrangig)
    • Bereitschaft zu unregelmäßigen Arbeitszeiten (theaterspezifische Arbeitszeiten wie geteilte Dienste, Dienste an Abenden, Wochenenden und Feiertagen)
    • Begeisterung für den Beruf und das Theater Soziale Kompetenz:
    • Gute Kommunikationsfähigkeit
    • Schnelle Auffassungsgabe
    • Verantwortungsbewusstsein
    • Selbständiges Arbeiten und Teamfähigkeit
    • Durchsetzungsvermögen
    • Belastbarkeit
    • Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen
    • Konfliktmanagement, Verhalten in angespannten Situationen
    • Organisationsfähigkeit und gutes Zeitmanagement
    • Führungsqualitäten

    Ausbildung:
    Bislang gibt es in Deutschland keine formal geregelte Ausbildung für den Beruf des Inspizienten.
    Es handelt sich um einen Quereinsteigerberuf für theatererfahrene Menschen bzw. solche, die am Theater arbeiten möchten.
    Zur Berufsvorbereitung sind Praktika erforderlich. Grundlegend ist eine gründliche Einarbeitung und das eigenverantwortliche Erarbeiten von Kenntnissen und Fähigkeiten durch Learning-by-doing.
    Für die Zukunft gibt es Bestrebungen, zusätzlich durch Seminare eine Grundlagenqualifizierung zu schaffen, welche sowohl auf Berufsanfänger als auch auf erfahrene Kollegen, die sich aus- bzw. weiterbilden möchten, zugeschnitten sein sollen. Es soll erreicht werden, dass alle Menschen, die den Beruf des Inspizienten ausüben, über bestimmte Kenntnisse verfügen und imstande sind, professionell und sicher zu arbeiten.

    Berufsspezifische Anforderungen:
    • Kenntnis des Theaterbetriebs und technisches Wissen
    • Übersicht über alle Abläufe eines Theaterbetriebes
    • Umfassende Kenntnis der Zuständigkeiten, Aufgabenbereiche und Arbeitsweisen der unterschiedlichen Abteilungen/Gewerke/Mitarbeiter
    • Befähigung zum Krisenmanagement (Vorstellungsabbruch, Notfallkette)
    • Grundlagen der Bühnentechnik, Lesen von Bühnenplänen
    • Grundlagen Arbeits- und Gesundheitsschutz, Erste Hilfe
    • Kenntnis rechtlicher und betrieblicher Grundlagen: Tarifverträge (Sonderregelungen je
    nach Sparte), hausinterne Betriebsvereinbarungen
    • Organisation von Bühnenabläufen
    • Notenlesen (vor allem Musiktheater)
    • musikalisches Gespür
    • Schrittfolgen und Figuren ( vor allem Ballett),
    • Gespür für Bewegungsabläufe, Sprechpausen, Anatmen
    • Arbeiten mit Timecode
    • Einrichtung eines Inspizientenbuches
    • Bedienen eines Inspizientenpultes
    • Arbeiten mit Funkgeräten, Intercom- und Sprechanlagen, Lichtzeichenanlagen
    • gute Kenntnis einer oder mehrere Fremdsprachen

    Vertragsart
    In der Regel sind in Deutschland Inspizienten nach Normalvertrag Bühne Bereich Solo an einem Theater, Opern- oder Mehrspartenhaus mit einer entsprechenden Spartenfestlegung fest angestellt. Inspizienten können auch für einzelne Produktionen (z.B. bei Festivals) verpflichtet werden, oftmals dann im Rahmen eines Werkvertrages.

    Abschließende Bemerkungen:
    Die jeweiligen Aufgaben und Pflichten des Inspizienten können haus- und spartenabhängig unterschiedlich sein.
    Der Inspizient ist zusammen mit dem Spielleiter massgeblich für die Aufrechterhaltung des künstlerisch- technischen Konzeptes einer jeden Produktion verantwortlich und das über Jahre hinaus für jede einzelne Vorstellung.
    Frauen und Männer sind gleichermaßen für diesen Beruf geeignet.

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Seminar-Modul I
Inspizienten / Stage Manager
(Ausbildung zum Geprüften Inspizienten/Stage Manager)
29. bis 31. Januar 2018

Kranz Parkhotel Siegburg
(Nähe ICE Bahnhof Siegburg/Bonn)
www.kranzparkhotel.de


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Alle Seminarmodule zur Weiterbildung zum Inspizienten sollen in naher Zukunft in einen Branchenstadard der IGVW überführt werden. Die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft (www.igvw.de) wird von den Branchenverbänden getragen und definiert Qualitätsstandards.
Zertifikate und Prüfungen erfolgen nach Konformitätsbewertung –
Allgemeine Anforderungen an Stellen, die Personen zertifizieren (ISO/IEC 17024:2012)